
„Das Aidas hat eine gewinnende Persönlichkeit. Es hat genau die Klangfarben eingefangen, nach denen ich mich sehne – diese Mischung aus Wärme und ALLEM ANDEREN –, und ich bin wirklich beeindruckt von diesem herrlichen Tieftonbereich.“
Hohe Tonabnehmer-Kunst aus Litauen
Die Nachricht kam unerwartet und auch für mich definitv ungelegen: My Sonic Lab stellte Anfang 2026 offiziell seinen Betrieb ein. Diese Tonabnehmer waren für mich eine Wonne, da sie – unter anderem aufgrund ihrer extrem niedrigen Innenwiderstände – eine Dynamik und Bass-Qualität besitzen, die ihresgleichen sucht. Auch in den anderen Klang-Disziplinen waren die japanischen Kleinode fantastisch, von der Fertigungsqualität ganz zu schweigen. Und die Japaner bedienten einen breiten Kundenkreis: Die Modell-Range reichte von ca. 4.300 bis über 10.000 Euro …
Genug gejammert, denn das Ganze hatte auch was Gutes: Auf der Suche nach Tonabnehmern, die genauso kontrolliert in meinen Magen knallen wie MSL, stieß ich auf AIDAS aus Litauen. Das Unternehmen machte sich als Retipping-Spezialist einen Namen, stellt aber bereits seit 2010 eigene hochwertige Tonabnehmer her, sogar Einzelstücke aus vogelwilden Materialien.
Ich habe mich für ein Modell der zweithöchsten Range entschieden, das aber trotzdem etwas ganz Besonderes ist: Der Body aus Stein, angereichert mit einem Komposit-Material, ist durchzogen von Goldstaub. Die Dämpfungseigenschaften dieses Material-Mix sind ausgezeichnet, die Spulendrähte aus vergoldetem Kupfer versprechen eine besondere klangliche Note, und die eher niedrige Compliance passt perfekt zu meinen Korf TA-CF10. Zusammen mit dem TechDas Air Force IV, dem SUT-1L Übertrager und dem MM-PH-AMP ging es daran, alles herauszuarbeiten, was das AIDAS Tru-Stone Gold Web zu bieten hat.
Und das ist einiges – und noch viel mehr …
Das Tru-Stone Gold Web in der AIDAS Tonabnehmer Range
Tonabnehmer von AIDAS weisen durch die Bank ähnliche Merkmale auf:
- Eher niedrige Innenwiderstände
- Niedrige Compliance
- Aufwändiges Dämpfungssystem (Kautschuk-Komposit + Fadenaufhängung)
- AlNiCo5 Magnete
- Bor als Nadelträger
- Micro Ridge Schliff
So kommt es nicht von ungefähr, dass die Litauer ihre Abtaster nach der Beschaffenheit der Spulendrähte in 4 Gruppen einteilen
- CU: Kupfer
- AG-CU: versilbertes Kupfer
- AU-CU: vergoldetes Kupfer
- AU: Gold
Das Tru-Stone Gold Web ist einer von drei Tonabnehmern der AU-CU-Serie und kostet 5.500 Euro.
Je nach Material erfolgen auch die Wicklungen anders, und die Drähte sind unterschiedlich dick. Trotzdem stelle ich mal infrage, dass der Spulendraht alleine für die klanglichen Unterschiede zwischen den Gruppen verantwortlich ist. Die besonderen Gehäuse-Materalien haben aufgrund ihrer unterschiedlichen Dämpfungseigenschaften ein klangliches Wörtchen mitzureden. Welche das konkret sind, erfahrt ihr in meinem vergleichenden Überblick über alle AIDAS Tonabnehmer.

Sehr hohe Fertigungsqualität – dank Selektion, Messungen, Qualitätskontrolle
Es ist ja heutzutage ein Kreuz mit den Tonabnehmern: „Schief, krumm und bucklig!“ möchte man (bzw. ich) bei Betrachtung auch sehr teurer Kandidaten unter dem Mikroskop schreien. Azimut-Abweichungen von 2,5 Grad oder mehr, vertikale Tracking-Winkel über 30 Grad, deren Korrektur zu wiederum nicht mehr akzeptablen SRA-Werten führt – vom „Zenith Error“ ganz zu schweigen. Dieser Fehler entsteht, wenn der Diamant bzw. die Diamantspitze im Nadelträger schief ausgerichtet ist.
AIDAS bezieht, wie im Übrigen fast alle anderen Tonabnehmer-Hersteller, ihre Nadelträger-/Diamant-Bauteile von den ganz wenigen großen Playern am Markt, in dem Fall von Orbray/Namiki. Aber die Litauer machen anscheinend als eine der wenigen eine echte Qualitätskontrolle. Und sie besitzen dafür hochwertige Mess-Instrumente, die z. B. bei der Messung von Kanalbalance/Übersprechen um ein Vielfaches genauer sind als ein Fozgometer.
So werden dann ca. 15 % der Bauteile aussortiert, auch wenn sie in der offiziell akzeptablen Range liegen, die z. B. beim Zenith Error ±5 Grad beträgt (was sehr viel ist). AIDAS setzt also engere Maßstäbe als andere und vermisst Nadelträger/Diamant, bevor die endgültige Montage erfolgt. Das nenne ich vorbildlich, und mein Exemplar ist ein gutes Beispiel für die Akribie und den Anspruch von AIDAS.
Eindrücke unter dem Mikroskop

Nadelträger mit Diamant, Spule, Dämpfer und Generator-Einheit, zu sehen sind auch schön die dünnen Drähte, die von den Pins zur Spule führen.

Der Nadelträger sitzt wunderbar gerade, der Diamant ist ebenso vorbildlich angebracht.

Der Diamant ist so angebracht, dass ich einen guten Stylus Rake Angle erhalte: Bei einem VTA von 19 Grad (via -3 Grad Shim) komme ich auf gute 90 Grad SRA.
Das AIDAS Tru-Stone Gold Web in der Praxis
Beginnen wir mit einem Kritikpunkt: Das Tru-Stone Gold Web besitzt keinen Nadelschutz. Der ist aktuell nur der Top-Serie AU vorbehalten, was für mich unverständlich ist und was ich bereits adressiert habe. Das war es aber schon mit dem Gemecker.
Einstellungen
Mit 12,6 Gramm ist das Tru-Stone Gold Web ein eher schwerer Abtaster, der ausbalanciert werden will. Ein Problem sollte das für die meisten infrage kommenden Tonarme aber nicht darstellen. Ist ein Zusatzgewicht verfügbar, sollte man dieses auch nutzen, um näher an den Lagerpunkt zu gelangen.
Die Einstellung des Überhangs gelingt dank des deutlich sichtbaren Nadelträgers sehr einfach. Eine Korrektur aufgrund eines Nadelträger-Schiefstands war nicht notwedig (siehe Bild oben).
Die Auflagekraft ist mit 1,9 Gramm angegeben, laut Hersteller ist eine Range von 1,7 bis 2,1 Gramm denkbar. Ich würde tatsächlich auch den mittleren Wert empfehlen: Da bekommt der Bass genau die unten beschriebene Attacke und Kontrolle, die wünschenswert ist. Vielleicht tastet der Tonabnehmer mit 2,1 Gramm die Testschallplatte einen Tick besser ab – das ist aber kein Maßstab für mich, und eine erhöhte Auflagekraft bedeutet auch wieder mehr Skating-Kraft, die kompensiert werden muss. Von daher: Mit 1,9 fahrt ihr gut.
Die Messung des dynamischen VTAs ergab 22 Grad, das ist im Vergleich ein sehr guter Wert, 10 % über dem Ideal von 20 Grad sind okay. Da ich aber Perfektionist bin, kam auch hier mein Wallytools Messing Shim zum Einsatz, das den Tonabnehmer um 3 Grad nach hinten absenkt. Somit komme ich auf einen idealen VTA, und der SRA beträgt in dieser Stellung immer noch 90 Grad, also auch hier ein perfekter Wert. Wie oben beschrieben, das ist bei Weitem keine Selbstverständlichkeit.
Bei der Azimut-Messung verhielt sich das Tru-Stone-Gold Web ebenso vorbildlich: Die leichte Abweichung (0,5 Grad Neigung für die besten Übersprech-Werte) habe ich nicht korrigiert, da sind die Unterschiede zwischen Messplatten in der Regel genauso groß.

Der VTA „out of the box“ – womit man bereits sehr gut leben kann.
Tonarm-Wahl
AIDAS empfiehlt für deine Tonabnehmer mittelschwere bis schwere Arme. Das ist relativ, ich persönlich würde für das Tru-Stone Gold Web definitiv einen schweren Kandidaten auswählen. Am Korf CF-10 mit 28 Gramm effektiver Masse spielt der Tonabnehmer einfach nur traumhaft. Dieser Tonarm ist aufgrund seiner ultrahohen Steifigkeit, seiner Resonanzarmut und seiner Lagerqualität ein perfektes Match, natürlich auch für andere AIDAS Tonabnehmer.
Eine Alternative wäre z. B. ein GrooveMaster IV oder Tonarme von Kuzma. Natürlich kann mit etwas leichteren Armen auch glücklich werden mit dem Tru-Stone Gold Web, aber ich empfehle MINDESTENS 18 Gramm effektive Masse.
Lebensdauer
Der Micro Ridge Schliff am Bor Nadelträger behält auch nach vielen Spielstunden seine Charakteristik. AIDAS gibt bis zu 2.000 Stunden Lebensdauer an, spätestens dann ist ein Retipping fällig (was nicht teuer ist, s. u.). Werden mittelmäßig bis stärker verschmutzte Schallplatten abgespielt, verringert sich die Zeit auf 1.000 bis 1.500 Stunden, so der Hersteller.

Das AIDAS Tru-Stone-Web am Korf CF-10 Tonarm mit Wally Messing-Shim
Phono-Vorstufen und Übertrager
Das Tru-Stone Gold Web ist mit 0,28 mV ein eher leises MC, sodass die Phonovorstufe in jedem Fall einen hohen Geräuschspannungsabstand besitzen sollte. Deswegen bietet sich ein Übertrager an. Der MK Analogue SUT-1L mit Übersetzungsverhältnis 1 : 16 (24 dB Verstärkung) ist ideal dafür, denn er ist für Tonabnehmer mit niedrigem Innenwiderstand gemacht. (Das Tru-Stone Gold Web hat 3,5 Ohm).
Damit erreiche ich ca. 184 Ohm bei 47 kOhm-Einstellung an der Phonovorstufe, noch besser haben bei mir 66 oder sogar 100 kOhm an der Vorstufe funktioniert (ergibt dann 257 bzw. 390 Ohm), was ich beim MM-PH-AMP einstellen kann.
AIDAS gibt den Abschluss-Widerstand bewusst mit einer breiten Range an: 100 bis 1000 Ohm, da bleibt viel Spielraum für die eigene Kette und den eigenen Geschmack.

Der MK Analogue Übertrager ist nicht nur aufgrund des vollsymmetrischen Aufbaus und der enormen Geräuscharmut ein perfekter Partner fürs Tru-Stone Gold Web.
Klangeindrücke zum AIDAS Tru-Stone Gold Web
Das Tru-Stone Gold Web ist einer der besten Tonabnehmer, den ich gehört habe. Er spielt extrem ausgewogen, selbstverständlich und natürlich. Die Bass- und Transienten-Wiedergabe erinnert mich tatsächlich an die Spitzenmodelle von My Sonic Lab: knochentrocken, explosiv, druckvoll, exzellent aufgefächert – dabei nie übertrieben, aufgedickt oder unnatürlich.
Coolsville von Ricky Lee Jones habe ich selten auf einem so hohen Niveau gehört. Oder die Seite 2A von Charly Anolonis Knock Out 2000 – das ist ein Fest mit dem Tru-Stone-Gold Web: Das Schlagzeug kommt mit Attacke und Wucht, klingt schnell ab, das sind Transienten vom Feinsten. Die Separierung und die Anschläge der Schlaginstrumente in der Tiefe der Bühne ist faszinierend. Dazu die Bassläufe, die wunderbar greifbar und knackig rüberkommen.
Der Tonabnehmer schafft eine wunderbare Staffelung der Instrumente in Breite und Tiefe. Janne Schaffers „Katharsis“ (Jazz-Rock aus Schweden, kein wirklich audiophiles Album) ist eine relativ „dichte“ Produktion aus den 70ern. Die zieht das Tru-Stone Gold Web gefühlt einen Tick mehr in die Breite, die einzelnen Instrumente sind noch besser wahrnehmbar, die Klangfarben der verschiedenen Gitarren-Effekte werden erstklassig reproduziert – und vor allem: es groovt verdammt noch mal. Der Fuß wippt, so muss es sein.
Ein Prüfstein für einen Tonabnehmer ist Sacre du Printemps (Ausgabe Deutsche Grammophon): Das Tru-Stone Gold Web trennt die Instrumenten-Gruppen auch in komplexen Tutti-Passagen klar auf. Die Wiedergabe bleibt den plötzlichen grobdynamischen Ausbrüchen immer absolut souverän. Hier wird nichts schöngezeichnet, die zum Teil aggressive Energie wirkt authentisch, tut aber nicht weh. Dann kommen wieder längere ruhige Passagen, die aus der Tiefe der Bühne einen Spannungsbogen aufbauen. Auch das gibt der Tonabnehmer äußerst feinfühlig, mikrodynamisch auf hohem Niveau wieder, vor einem tiefschwarzen Hintergrund. (Ja, die Platte muss auch sauber sein dafür, und Laufwerk und Tonarm leisten ebenso einen wertvollen Beitrag)
Auf dem audiophilen Sampler „Le Son Vrai“ von Métronome Technologie (einer der wenigen, den man wirklich mit Genuss durchhören kann) gehen Stimmen unter die Haut. Das Tru-Stone Gold Web verstärkt dieses Gänsehaut-Feeling: Die Protagonisten stehen frei und plastisch vor mir im Raum, das wirkt nahbar und intensiv, man hängt dem EB Duet oder Suzanne Vega an den Lippen. Aber bei aller Direktheit kontrolliert der Tonabnehmer im Zusammenspiel mit dem Tonarm S- und Zischlaute in vorbildlicher Weise. Alle Energie bleibt erhalten, aber Schärfe und Härte sind Fehlanzeige.
Auch das Album Happy Sad von Tim Buckley macht mit dem Tru Stone Gold Web Laune. Buckley zieht Wörter bewusst in die Länge, sodass die Stimme fließend von einer Tonhöhe zur nächsten gleitet. Zusammen mit der eher reduzierten, aber abwechslungsreichen Instrumentierung ist das wunderbar anzuhören.
Ich könnte jetzt noch über zig weitere Alben schreiben. Ich habe meine „echte“ Arbeit immer wieder aufgeschoben und Platten aufgelegt, was das Zeug hält; bis in die späten Abendstunden und ohne jede Ermüdungserscheinung. Und das ist das größte Kompliment, das ich einem Tonabnehmer (und anderen Test-Komponenten natürlich auch) machen kann.
Retipping – mehr als fair
Viele Tonabnehmer Hersteller verlangen für ein Retipping 70 bis 90 % des Neupreises, man bekommt im Prinzip einen Rabatt auf einen neuen Tonabnehmer. Nun ist das Ganze ja schnell passiert: Einmal unvorsichtig hantiert (gerade bei der erstmaligen Justage passiert häufig ein Missgeschick), und schon sind Tausende von Euros fällig.
Nicht bei AIDAS: Die Litauer bieten sogar noch attraktivere Konditionen als ihr sie beim Goldbug bekommt. Das heißt konkret:
- Retipping Nadelträger + Diamant: 550 €
- Austausch Generator: 1.000 €
Das liest sich mehr als fair. Und für mich ist das ein weiterer Grund, warum ich Tonabnehmer von AIDAS uneingeschränkt empfehlen kann.
AIDAS Tru-Stone Gold Web – technische Daten und Preise
Deine Anfrage zu AIDAS Tonabnehmern
Alle Felder sind Pflichtfelder. Zu den Datenschutz-Bestimmungen


