Der Raum macht die Musik – für HiFi und Heimkino

Hörraum von Audio-Freak: Aufnahme Totale

Dachboden mit Stereo- und Heimkino-Setup – eine Herausforderung

Ziel war es, einen wohnlichen Raum (also kein dunkles Kellerkino) sowohl für ein exzellentes Stereo- als auch Heimkino-Erlebnis zu schaffen. Ich bin Holz-Fan, wie man anhand der Fotos sieht. Deshalb, weil ich mich bei diesem natürlichen Werkstoff schlichtweg wohl fühle und ihn zeitlos schön finde. Geschmacksache, wie so häufig.

Dass jeder Raum auch Nachteile mit sich bringt, ist klar. Bei mir sind es der quadratische Grundriss, der trotz Dachschrägen in Verbindung mit dem relativ niedrigen Dachwinkel zu ein paar Bassproblemen führte. Klar: helles Holz ist halt nicht 100 % dunkel, da ist ein mit schwarzen Vorhängen zugehängtes Kino von fachlicher Seite sicher im Vorteil. Aber wie gesagt: jeder setzt so seine Prioritäten.

Im Heimkino-Modus läuft ein 7.2.4-System. Im Stereobetrieb läuft eine 3-Wege-Aktiv-Lösung: ein von mir selbst konzipiertes System, welches sich an der YOLO Serie von Bohne Audio orientiert. Es läuft im Mittel-Hochton-Bereich ab 180 Hz als Dipol. Darunter ergänzen drei 10-Zoll-Basstreiber, die in einem massiv versteiften On-Wall-Gehäuse sitzen. Alles ist über die Aktivweiche des Trinnov zeitrichtig eingemessen und ausgepegelt. Schließlich kommen unter 60/65 Hz zwei Subwoofer zum Einsatz, die über das Trinnov Bass Management perfekt eingebunden sind.

Mit diesem Setup war es möglich, die räumlichen Gegebenheiten optimal einzusetzen bzw. die räumlichen Schwächen mit akustischen Maßnahmen bestmöglich zu kompensieren. Denn jede der Komponenten hat am ausgewählten Platz die beste Performance im Raum. So kann die digitale Korrektur sinnvoll eingreifen, um das Ganze bestmöglich zu linearisieren bzw. nach Gusto zu optimieren.

Hörraum von Audio-Freak: Sitzgelegenheiten

Sitzplätze für Stereo und Heimkino

Damit es beim Filme-Schauen gemütlicher wird, sind die ursprünglichen drei Sessel einer Couch gewichen. Nun ist so eine Couch immer ein klanglicher Faktor im Raum. Einmal mit positiver Wirkung, weil das große Teil Bassfrequenzen schluckt und hier am konkreten Beispiel eine Senke minimierte. Aber es können auch negative Effekte entstehen, denn die Couch ist auch ein großer Schwingungskörper.

Das kann z. B. zu einem gefühlten „Nachdröhnen“ bei ganz bestimmten (tiefen) Frequenzen führen. Beim Kinobetrieb ist das ganz effektvoll, quasi ein kostenloser „Shaker“. Bei Stereo ist das wiederum nicht so der Brüller. Aber auch hier lässt sich „passiv“ etwas optimieren: indem man die Standard-Sofa-Füße durch geeignete Industrieabsorber-Füße ersetzt. Und ja: ich weiß, dass das ein bissl verrückt ist …

Surround Lautsprecher im Musikzimmer von Audio-Freak

Surround Lautsprecher

Als Surroundboxen setze ich seitlich die Bohne BB-10L ein, hinten die Bohne BB-8L. Diese Lautsprecher führe ich Interessierten auch als Stereo-Setup vor. Da das Bändchen der Lautsprecher als Dipol agiert, ist die Position vor der Dachschräge und mit wenig Wandabstand suboptimal, deshalb erfolgt die Stereo-Vorführung auch an anderer Position.

In der Surround-Praxis sind die vielen frühen Reflexionen und das damit verbundene etwas diffusere Klangbild nicht so schlimm. Man kann sich z. B. die Einstellung „Add Decoloration“ im Trinnov sparen, da dies auf natürliche Weise passiert :-) Und man kann in den Tutorials sehr schön zeigen, welche messtechnischen und vor allem klanglichen Auswirkungen bestimmte Lautsprecher-Platzierungen haben. Und was man davon korrigiert bekommt und was nicht.

Deckenlautsprecher von Wisdom Audio im Hörraum von Audio-Freak
Wisdom Audio Deckenlautsprecher ohne Verkleidung im Hörraum von Audio-Freak

Höhenlautsprecher für Atmos sowie andere 3-D-Tonformate

Über das Thema 3-D-Tonformate ließe sich stundenlang diskutieren. Blöd ist nunmal, dass für Auro 3-D (aus meiner Sicht das überlegene Format an sich) kaum Material existiert. Schön ist andererseits, dass es für Dolby Atmos mittlerweile einiges an Material gibt, mitunter sogar sehr gute Filme. Ab und an sogar in Deutsch.

Das war einer der Gründe, warum ich mich für eine Atmos-Anordnung (oder zumindest eine, die dieser nahe kommt) entschieden habe. Vier Lautsprecher strahlen von der Decke. Die sind (wie der Center, s. u.) von Wisdom Audio und heißen Sage Cinema Point 2 V2. Das Tolle an diesen Speakern: sie sind sehr pegelfest und perfekt für Wandeinbau geeignet. Weiterhin benötigen sie dank Passivweiche nur einen Kanal (im Gegensatz zu den anderen, meist Zweiwege-Konstruktionen von Wisdom).

Schließlich kann man den Hochtöner auf 5 verschiedene Arten ein- bzw. umbauen. So kann man die Richtwirkung im Hochton und damit auch den gewünschten Abstrahlwinkel – wie hier geschehen – anpassen.

Subwoofer von Merovinger Audio im Hörraum von Audio-Freak

Subwoofer: viel hilft viel

Da mein Raum wie gesagt nicht so einfach in Sachen Basswiedergabe ist, habe ich mit der Aufstellung von Subwoofern sehr viel experimentiert. Und zwar immer in Kombination mit bestimmten Flächen, die ich mit Absorbermaterial gefüllt habe (s. u.). So waren einige Umbau- und Mess-Orgien an der Tagesordnung. Und manchmal fasst man sich ob des eigenen Spleens an den Kopf …

Quintessenz für euch andere HiFi- und Cinema-Verrückten: je mehr Woofer, desto besser. (Ich bin auch ein Freund von DBAs, die zumindest in der Moden-Längsrichtung gute Ergebnisse liefern – aber hier sind nun mal Dachschrägen, die das nicht zulassen.) Ich habe hier die aus meiner Sicht mindeste Anzahl von Subs integriert, nämlich zwei. Die sind versteckt im Kniestock, wo glücklicherweise auch die beste Performance zu finden war. Da sie dort nicht sichtbar sind, sehen die Woofergehäuse so aus wie auf dem Bild.

Das Gehäuse ist mehrfach versteift und aus 3 cm Birke Multiplex gefertigt. Zwei 18 Zoll BMS Woofer mit leichter Membran werkeln darin – parallel geschaltet. Das Ganze ist inspiriert und unterstützt von Merovinger Audio, an die man sich bezüglich Tiefton vertrauensvoll wenden kann. So kommt zusätzlich eine Regelung zum Einsatz, die die Membran-Auslenkungen via Mikrofon und externer Steuerplatine kontrolliert. Damit kann man den Frequenzgang linearisieren (gut, das macht der Trinnov dann in der Gesamteinmessung auch), aber auch in Sachen Gruppenlaufzeit/Nachhall ist diese Technologie förderlich.

Wandlautsprecher für Kickbass und Rack im Dachboden Vorführraum von Audio-Freak

Das Rack – digitale Steuerzentrale und analoge Spielwiese

Drei Anmerkungen zu einem Vorurteil, das mir beim Blick aufs Rack gerne entgegenhallt: „Die Basslautsprecher stehen doch viel zu nah am Rack, das gibt gefährliche Resonanzen, gerade für den Plattenspieler.“:

  • Bei den hier abgestrahlten Wellenlängen ist es relativ wurst, ob die Bässe noch 50 cm weiter weg stehen oder nicht, das Rack kriegt immer was ab. Und die Subwoofer, die die wirklich tiefen Töne in den Raum wuchten, sind dafür viereinhalb Meter entfernt.
  • Das Rack steht nunmal da, weil ich es zu Beginn des Hausbaus nicht besser wusste und weil es in diesem Raum aufgrund der ganzen Anschlüsse etc. nunmehr nicht anders geht. Aber: die Position in der Mitte ist nicht automatisch immer die schlechtere, vgl. auch die folgende Anmerkung:
  • Ja, Plattenspieler-Wiedergabe lebt von der Resonanzfreiheit, deshalb sind aus meiner Sicht Subchassis-Konstruktionen oder entkoppelte Laufwerke eine gute Idee. Hier ist das Ganze mit Hilfe von Industrie-Luftdämpfern passiert, die sich unter der schweren Schieferplatte befinden. Diese balancieren sich über Analog-Ventile automatisch aus und werden von einem versteckten Kompressor mit Luft versorgt. Damit kille ich bis 3 Hz alles, was an Bassresonanzen umherschwirrt. Kleiner Test für Zuhause: Setze die Nadel auf eine sich nicht drehende Schallplatte und dreh langsam lauter, bis eine Rückkopplung zu vernehmen ist. Diese sollte immer erst dann eintreten, wenn der Lautstärke-Regler weit über die maximale Hörlautstärke hinausgedreht ist (10 dB sollten schon Luft sein). Und es ist nicht automatisch der Fall, dass die „späteste“ Rückkopplung dann entsteht, wenn das Laufwerk an der Seite steht …

So, genug Abweichung vom Thema, hier ein paar Anmerkungen zu den Geräten

  • Der Altitude32 ist mit 24 Kanälen das Herz des gesamten Setups.
  • Für die Front-Lautsprecher sowie den Center nutze ich einen externen 8-Kanal-DAC, der dem Trinnov noch die DA- und AD-Krone aufsetzt. Er wandelt auch die Analogsignale digital, bevor sie über AES in den Trinnov gehen. Die Subs und die weiteren Lautsprecher werden direkt über die Wandler im Altitude angesprochen.
  • Als Endverstärker rechts kommen 3 Geräte von Nord Acoustics zum Einsatz, die mit Hypex-Ncore Modulen ausgestattet sind: die hochwertigeren für Center und Surround L/R, die nicht ganz so hochwertigen in der 8-Kanal-Endstufe für Heights und Surround Back).
  • Beim Blu-ray-Laufwerk bin ich ganz bodenständig mit dem Sony UBP-X800M2 aufgestellt, dazu gibt es Streaming via Apple TV und SAT/Sky.

Der Center-Lautsprecher

Der Center ist wieder von Wisdom Audio. Er besitzt zwei Wege und wird mit Digitalweiche im Trinnov entsprechend getrennt. Der Lautsprecher sollte sehr dezent in entsprechender Höhe angebracht werden. Darum gab es allein schon wegen der geringen Einbautiefe der Wisdom Lautsprecher keine große Alternative.

Früher hatte ich einen Center in der Mitte des Racks, also unter der Leinwand. Trotz des Trinnov 3-D-Mappings war die Centerposition am Boden nicht zufriedenstellend. Die jetzige in Kombination mit der akustisch transparenten Leinwand von Screen Research war und ist für mich ein großer Schritt nach vorn.

Premium Endstufen von Apollon Audio im Musikzimmer von Audio-Freak
Premium Endstufen von Apollon Audio Nahaufnahme – Musikzimmer von Audio-Freak

Endverstärker für Stereo-Front und Subwoofer

Für die Front-Lautsprecher sollte es verstärkerseitig ebenfalls ein Maximum an Performance sein. Hier habe ich mit den Premium-Endstufen von Apollon Audio visuell passende Preziosen gefunden, die ordentlich Kraft besitzen. Warum Monos? Weil sie nach und nach ergänzt wurden, dank des Doppel-Mono-Aufbaus der Stereovarianten würde man aber mit der Hälfte der Gehäuse auskommen :-)

Und warum Class-D? Effizienz und verhältnismäßig geringe Wärmeabstrahlung sprechen dafür. Aber es sind nicht irgendwelche Class-D-Verstärker. Apollon Audio ist schon seit vielen Jahren im Geschäft, kommt aus der Studio-Ecke und hat das Schaltungsdesign perfektioniert. Sie spielen klanglich für mich auf dem Niveau von namhaften Marken, die für Topklang in Class-AB bekannt sind.

Diffusor maßgeschneidert von Acoustic Manufacture im Musikzimmer von Audio-Freak
Absorber fuer tiefe Basswellen im Hörraum von Audio-Freak

Passive Raumoptimierung – ein wichtiger Faktor!

Der Mix macht’s – wie fast immer. Gerade um den Nachhall im Raum zu reduzieren, sind passive Maßnahmen wichtig und Voraussetzung für einen guten Klang, vor allem auch bei lauteren Pegeln.

Bauseitig wurden an Vorder- und Rückwand Lignotrend Akustik-Module angebracht, die Bretter zwischen den Dachsparren wurden mit 1 cm Abstand montiert.  Dazu kamen irgendwann die einmaligen Sirrah-Diffusoren von R-T-F-S zum Einsatz – seitlich. Noch besser wären weitere 8 Stück zwischen den Lautsprechern, aber zum Zeitpunkt der Fensterplanung kannte ich die Teile noch nicht … Hinter dem Hörplatz macht nicht nur designmäßig der maßgeschneiderte Diffusor in Wunschfarbe von Acoustic Manufacture eine gute Figur.

Tja, und dann wäre da noch der Tiefton. Hier habe ich materialmäßig lange getüftelt und endlich etwas gefunden, was auch unter 50 Hz den Nachhall effektiv senkt. Sofern man Platz für ein paar Kubikmeter davon schafft. Was das genau ist und wie es funktioniert, erkläre ich in den Experten-Tutorials.

Ergebnis ist ein Nachhall (RT 60 über alle Frequenzen) von 0,25 Sekunden. Wenn nun einige aufschreien „Das ist ja totgedämmt!“, dann sei ihnen gesagt: finde ich nicht. Fand auch Trinnov nicht, als sie hier waren und meinen Raum begutachteten. Und fand auch kaum einer, der in einer Vorführung bei mir war. Aber klar: man muss sich an diese Atmosphäre erst mal gewöhnen, wenn man aus einen klassischen Wohnzimmer mit Fensterfronten, glatten Wänden und spartanischer Einrichtung kommt.

Revox PR99 MKIII Tonbandmaschine im Musikzimmer von Audio-Freak
Kenwood KD-750 mit Groovmaster III Tonarm im Hörraum von Audio-Freak

Analoge Liebe

Seit 2010 bin ich wieder Fan der analogen Medien, v. a. der Schallplatte. Wenn man jahrelang nur MP3s und später die hochaufgelösten Digitaltracks an(!)gespielt hat, kommt anscheinend irgendwann der Wunsch auf, Musik wieder mehr zu zelebrieren und eine Scheibe bewusst durchzuhören. Und man glaubt gar nicht, was das für ein bewusstes Musik-Erlebnis ist.

Ein rationaler Grund für Vinyl kommt noch dazu: die Leute, die heutzutage für Schallplatte mastern, sind oft noch von der alten Schule bzw. haben mehr für echte Dynamik über. Damit erhält man (häufig, nicht immer) die bessere Qualität auf der schwarzen Scheibe im Vergleich zur CD oder dem Mastering für Streaming.

Jedenfalls freue ich mich, bei mir Plattenspieler und Tonarme von Reed vorzuführen. Dazu einige Tonabnehmer wie My Sonic Lab oder ein altes Grace F9 mit extra für mich gefertigtem Sonderschliff von Peter Ledermann (Soundsmith). Für mich als Schallplatten-Fan spielt der Phono-Vorverstärker eine ebenso wichtige Rolle wie die Kombi aus Tonarm, Laufwerk und Tonabnehmer. Hier führe ich die Geräte von Audiospecials (Phonolab) sowie Linnenberg Audio (Johann Sebastian Bach) vor. Für mich sind beide Lösungen klanglich und auch in Sachen Flexibilität und Rauschabstand absolute Crème de la Crème. Und auch noch in Deutschland entwickelt und gefertigt! Als Tonabnehmer kommen SPU, My Sonic Lab, Hana Umami Red und weitere zum Einsatz.

Und auch die ererbte Bandmaschine Revox PR-99 MKIII dreht ihre analogen Runden, nachdem sie André Rösler revidiert hat.

Ja, für mich ist die analoge Quelle dank digitaler Raumoptimierung noch besser als vorher, auch wenn sich an dieser Stelle die Geister scheiden. Aber was bringt die puristischste Analog-Aufnahme, wenn sie beim Abspielen vom Raum komplett verzerrt wird und nichts mehr damit zu tun hat, was der Musiker ursprünglich ans „Neumann-Mikrofon“ vermittelt hat.

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