JNu Musical Fidelity Nu-Vista Vinyl S – vollsymmetrischer Phonovorverstärker im kompakteren Nu-Vista-Format

Die Nu-Vista Vinyl S ist für das, was sie an Ausstattung und Klang bietet, ein Schnäppchen: Während die große Nu-Vista Vinyl 2 fast 11.000 Euro kostet, ist das kompakte Pendant für 5.990 Euro zu haben.
Echte Nu-Vista-Gene zum (fast) halben Preis …
Auf dieses Gerät habe ich lange gewartet: Auf der Highend 2025 wurde die Phonovorstufe bereits groß angekündigt, doch dann dauerte es noch weit über ein Jahr, bis die Musical Fidelity Nu-Vista Vinyl S zur Auslieferung bereit stand.
Die Nu-Vista Vinyl S ist das kompakte Pendant zur Nu-Vista Vinyl 2, das Gehäuse ist um 45 % Volumen geschrumpft, der Preis in etwa auch. Das lässt aufhorchen. Denn die großen Nu-Vista-Boliden muss man erst mal im Rack unterbringen, und 5-stellig muss man erst mal bereit sein, für einen Phonovorverstärker auszugeben.
Das Spannende: Die Vinyl S ist technisch quasi gleich aufgebaut wie die Vinyl, besitzt ebenso 8 klangprägende Nu-Vista-Röhren, kann ebenso bis zu 4 Tonabnehmer bedienen und strotzt vor Einstellungsoptionen. Einen qualitativen Unterschied deutet auf dem Datenblatt nur der geringere Geräuschspannungsabstand an – angesichts des absoluten Wertes ist das aber zu relativieren.
In Summe, ich greife voraus, bekommt man mit der Musical Fidelity Nu-Vista Vinyl S wahnsinnig viel fürs Geld, vor allem ganz viel Musik …
Highlights der Musical Fidelity Nu-Vista Vinyl S
- Gleiches technisches Design wie VINYL 2 (10.990 EUR); Unterschiede primär bedingt durch 45 % kleineres Gehäuse-Volumen: überarbeitetes Platinen-Layout, Anpassungen am Netzteil (auffälligtes Detail in technischen Daten: geringerer Rauschabstand)
- Dreistufige Class-A-Ausgangsstufe: acht 7586 Nuvistoren in symmetrischer Schaltung
- Vollständig diskreter Aufbau
- Passive RIAA-, DECCA- und COLUMBIA-Korrektur
- 3 Subsonic-Optionen
- Zahlreiche Gain-, Kapazitäts- und Impedanz-Optionen; zusätzlicher Verstärkungsfaktor via XLR
- Getrennte Ausgangs- und Eingangsstufen, somit gleichzeitiger Anschluss mehrerer Ein- und Ausgänge möglich und Speicherung der letzten Einstellungen automatisch für jeden Eingang
- Hochwertige Stromversorung: sehr leiser Netztransformator, diskrete Eingangsspannungsfilterung und DC-Blocker
- Großes informatives Farbdisplay, dimm- und auschaltbar
- Attraktive Fernbedienung mit Möglichkeit, unterschiedliche Einstellungen (Kapazität, Impedanz, Gain) sowie Eingänge auf Knopfdruck zu wechseln
Die Nu-Vista-Röhren – Herzstück der Schaltung der Nu-Vista Vinyl S
MUSICAL FIDELITY setzte 1999 als erster Audio-Hersteller weltweit die Nuvistor-Röhre neu ein: Die Nuvistoren sind Höchstleistungs-Trioden-Röhren und wurden bereits in den späten 50er Jahren entwickelt, um die Schwachpunkte der klassischen Glas-Röhren zu beseitigen. Sie zeichnen sich aus durch:
- Sehr hohe Zuverlässigkeit und Langlebigkeit (50.000 Betriebsstunden nach Militärstandard, so die damaligen Angaben)
- Kompakte Größe
- Extrem unempfindlich auf äußere Einflüsse wie Mikrofonie
- Kohärenz der Produktionscharge
Die Nuvistoren hatten damals das Pech, dass zu dem Zeitpunkt, wo sie verfügbar waren, auch die Transistoren in Mode kamen und ihren Sieszug begannen. Und wir haben Glück, dass Musical Fidelity so vorausschauend agiert hat und sich quasi alle Bestände weltweit gesichert hat. Dabei ging es nicht nur um die Röhren an sich, sondern vor allem um die Sockel dafür.
Musical Fidelity kombiniert heute die Vorzüge der Nuvistoren mit SMD-Technologie, was mehr Freiheit beim Schaltungslayout bedeutet, aber auch klanglich neue Potenziale eröffnet.
Vollsymmetrisch, diskret und geschirmt
Ein MC-Tonabnehmer ist tatsächlich das einzig wirklich symmetrische Signal bei der Signal-Wiedergabe. (Viele scheinbar symmetrische Quellen bieten nur ein symmetriertes Signal an, das ursprünglich asymmetrisch ist). Wenn dieses Signal symmetrisch weitergeführt wird, hat das Vorteile in Bezug auf Störungs-/Einstreuungsvermeidung sowie Signal-Spannung.
Eine richtig gut klingende symmetrische Schaltung umzusetzen, ist große Audio-Kunst. Deshalb verzichten viele Anbieter von Phonovorstufen darauf – oder die angebotenen Produkte sind in schwindelerregenden Preisregionen angesiedelt.
Die Nu-Vista Vinyl S arbeitet vollsymmetrisch im gesamten Signalweg – also für alle vier Signalanteile. D. h., dass alle Verstärkerstufen nicht nur identisch aufgebaut sind, sie müssen sich auch identisch bzw. in engsten Toleranzen messen lassen. Deshalb werden z. B. 8 verstärkenden Nuvistor-Röhren (zwei pro Signalanteil), die per se schon eine hohe Kohärenz aufweisen, nochmal exakt vermessen, bevor sie den Weg ins Gehäuse finden.
Diskrete Schaltung
Ein diskreter Schaltkreis besteht aus passiven Komponenten wie Widerständen und Kondensatoren oder aktiven Komponenten wie Transistoren. Musical Fidelity argumentiert, dass selbst die besten IC-Operationsverstärker (die man alternativ einsetzen kann) „nicht so neutral, natürlich, dynamisch und lebendig spielen“ wie ein diskreter Aufbau.
Deshalb ist die Nu-Vista Vinyl S nicht nur vollsymmetrisch, sondern auch vollsdiskret.
Hochwertige Stromversorgung
Der gekapselte Ringkerntrafo ist extrem leise, EMI-Filter und DC-Blocker traggen dazu bei, dass hier nix brummt. Sieben getrennte und volldiskret aufgebaute Netzteil-Sektionen liefern eine ideale Versorgungsspannung für:
- vier symmetrische Vorverstärker-Sektionen
- die Röhrenvorspannung der 8 Nuvistoren und
- die vielfältigen Steuerungskomponenten
Anschluss- und Eisntellungsvielfalt der Nu-Vista Vinyl S
Der Phonovorverstärker besitzt vier Eingänge, das reicht für mehrere Plattenspieler bzw. einen Plattenspieler mit mehreren Tonarmen. Zwei Eingänge sind symmetrisch, zwei asymmetrisch, Erdungsanschlüsse gibt es auch zwei. (Für eine symmetrische Verbindung braucht man das in der Regel nicht.)
Auch die Ausgänge sind einmal symmetrisch und einmal asymmetrisch ausgeführt. Sie können sogar gleichzeitig benutzt werden.
Was fehlt im Vergleich zur großen Nu-Vista Vinyl 2, ist der Anschluss für das große Musical Fidelity Netzteil … Würde aber auch dem Bestreben widersprechen, mit der Vinyl S deutlich weniger Platz zu beanspruchen.
3 Entzerrungskurven
Für jeden Eingang lässt sich festlegen, welche Entzerrungskurve angewendet werden soll. Insbesondere Sammler dürfen sich über eine zusätzliche Decca- und Columbia-Entzerrung freuen.
Gain, Kapazität und Impedanz
Für die Gain-Regelung stehen 40, 43, 46 und 49 dB für MM zur Verfügung, bei MC sind es 60, 63, 66 und 69 dB. Damit nicht genug, denn wir haben ja echte symmetrische Eingänge und einen transistor-basierten Differenzverstärker am Eingang. Das bedeutet nochmals 6 dB on top, und schon haben wir jeweils 8 unterschiedliche Gainwerte, die in der Spitze 55 dB bei MM und 75 dB bei MC erreichen.
Auch für die Kapazität und Impedanz bietet die Vinyl S ein breites Set an Optionen (alle Werte siehe technische Daten unten):
- 50 bis 400 pF
- 5 Ohm bis 47 kOhm
Das Einzige, was ich hier zu bekritteln habe, ist der große Abstand zwischen 100 und 400 Ohm bei der Abschluss-Impedanz, da wären doch 200 Ohm auch noch drin gewesen, oder ;-?
Jede der Einstellungen, die man für einen Eingang vorgenommen hat, wird automatisch gespeichert. Sehr durchdacht.
Fernbedienung
Das Tolle: Alle Einstellungen und auch den Wechsel der Eingänge kann man bequem vom Sessel bzw. der Couch aus vornehmen. Die Fernbedienung ist massiv und liegt gut in der Hand. Der Vorteil: Besser kann man sich nicht zwischen zwei Einstellungen entscheiden oder den Unterschied zwischen zwei parallel laufenden Tonarmen/Tonabnehmern heraushören.
In Sachen Komfort geht eigentlich nicht mehr, wie ich finde.
So klingt die Musical Fidelity Nu-Vista Vinyl S
Die Nuvistoren sind Röhren, aber eben keine typischen Glaskolben. Wer also ein sehr romantisch-euphonisches röhriges Klangbild erwartet, den muss ich enttäuschen. Der Phonovorverstärker spielt unverfärbt, äußerst dynamisch, lebendig, körperhaft – aber immer mit dem nötigen Feingefühl für jede Art von Musik. Und wenn Nina Simone „Plain Gold Ring“ zum Besten gibt, dann ist da viel Schmelz und Intensität im Spiel, aber auch Substanz in der Brust und Spannung in der Luft. Gänsehaut.
Antritt und Dynamik
Beeindruckend finde ich insbesondere, mit welcher Souveränität und Leichtigkeit die Nu-Vista-Vinyl S Impulse aus dem Ärmel schüttelt, punktgenau und mit der nötigen Attacke. Man hat immer das Gefühl, dass da noch ordentlich Reserven verborgen sind. Das Album „Crash“ von Charly Antolini in der Ausgabe Audiophile Legends (Jeton, Highend Analogue Remastering) ist wie gemacht für diesen Phonopre. Das Schlagzeug haut wunderbar direkt, trocken und satt in den Magen, dass es staubt.
Luft und Raum
Neben der Impulsivität sticht für mich die hohe Auflösung, die exzellente Durchhörbarkeit heraus. Das mündet in eine große Bühne, die der Phonopre zeichnet, über die Lautsprecher hinaus und gut ausgeleuchtet in der Tiefe. Die Nu-Vista Vinyl S liebt Präzision und kleinste Details, sie trägt diese aber nie isoliert zur Schau. Ein großes Orchester bleibt mehr als die Summe seiner Teile. Die einzelnen Akteure haben trotzdem den nötigen Raum, um sich zu entfalten bzw. ihre Instrumente mit hoher Natürlichkeit und Farbenpracht darzubieten.
Das kann man sehr schön „An der Schönen Blauen Donau“ erleben, gespielt vom Bruckner Orchestra Linz. Die räumliche Staffelung ist vorbildlich. Die dynamischen „Wellen“ bauen sich sehr „stabil“ auf und entladen sich mit Wucht, ohne jemals zu verwischen oder stressige Härte aufkommen zu lassen. Chapeau!
Geht es noch besser?
Die Nu-Vista Vinyl S spielt für mich in der Spitzenklasse der Phonovorstufen, das ist keine Frage. Natürlich will ich dann wissen: Geht noch mehr? Mein Mittel der Wahl sind dann (bei MC-Wiedergabe) meine MK Analogue Übertrager. Die durften das AIDAS Tru-Stone Gold Web und das DPU-103 „vorverstärken“, bevor es dann in den MM-Eingang (symmetrisch verkabelt) der Vinyl S ging.
Alle Teilnehmer der Hörsession waren sich bei diesem Vergleich einig: Auch ein Phonopre von diesem Kaliber profitiert von einem sehr guten Übertrager. Da ist noch etwas mehr Schwärze, mehr Grip, mehr Fleisch, mehr Swing im Spiel. Einen Kommentar zu Bob Marley möchte ich euch an der Stelle nicht vorenthalten: „Mit Übertrager klingt es einfach noch einen Tick bekiffter, für mich noch stimmiger.“ Kann man so sagen, was ist das nur für ein schönes Hobby!
Technisch lässt sich das in Teilen mit dem Geräuschspannungsabstand von über 100 dB(A) erklären, den die NuVista Vinyl S am MM-Eingang bietet, während am MC-Eingang ein Wert von 82 dB(A) angegeben ist.
Wie auch immer: Dieser Phonovorverstärker ist eine ganz dicke Emfpehlung von meiner Seite, zumal er in Sachen Bedienkomfort, Ausstattung und Einstellungsvielfalt ganz viele Konkurrenten übertrifft. Darum ist die Musical Fidelity Nu-Vista Vinyl S nun dauerhaft in meiner Vorführung.
Die Nu-Vista Vinyl S bei Test-Magazinen
Praxis-Tipps
- Die Nu-Vista Vinyl S besitzt keine entkoppelnden Füße (die Filze sind da keine große Hilfe). Die mitgelieferten Spikes koppeln das Gerät optional am Untergrund an, auch nicht das wahre. Man kann die Füße, wenn man das Gerät öffnet, von innen abschrauben und stattdessen „echte“ Entkopplungsfüße nehmen, z. B. die Pure-Absorberv on bfly audio (Achtung: richtige Variante für 14 kg Gewicht) oder als ultimative Lösung die Magaudio Resonance (Compact) mit 5 kg Tragkraft pro Fuß. Mach ich euch gern dran beim Kauf, sprecht mich an.
- Die Phonovorstufe benötigt ca. 15 Minuten, bis die Röhren voll auf Tour sind.
- Das Gerät wird im Betrieb warm, eine Stellfläche mit genug Luftzufuhr ist zu empfehlen.
Technische Daten zur Musical Fidelity Nu-Vista Vinyl S
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