Thorens MC 1600 – vollsymmetrischer Phonovorverstärker für 2.199 Euro

Thorens MC 1600: Front und Rückseite übereinander

Massives Gehäuse außen, vollsymmetrischer Doppel-Mono Aufbau im Inneren – und das zum Preis von 2.199 Euro ...

Das alles steckt da drin?

Wenn ich mir das Datenblatt zur Thorens MC 1600 Phonovorstufe durchlese (die im Übrigen auch MM kann) , mach ich viele „gedankliche Haken“:

  • vollsymmetrischer Dual-Mono Aufbau mit XLR-Ein- und -Ausgängen
  • Geräuschspannungsabstand über 70 dB(A) bei MC, > 88 dB(A) bei MM
  • Gain bis 68 dB in 10 Schritten
  • 12 Werte für Kapazität und über 60 (!) Werte für Abschluss-Impedanz

Schaut man dann auf das Preisschild mit 2.199 Euro, fragt man sich zurecht: Wie haben sie bei Thorens das nur hinbekommen? Und gibt es vielleicht einen „klanglichen“ Haken bei der ganzen Geschichte? Wir werden hören …

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„Das ist ein Wahrheitssucher. Aber eben kein Inquisitor. Der Thorens MC 1600 ist der hohen Analyse verpflichtet. Er verzeiht schlechte Aufnahmen nicht, was ihn adelt. Das Setup ist – einmal – aufwendig in der Justage. Danach gilt es der Musik. Die pure Abbildungsleistung und der Extra-Kick an Feindynamik sind atemberaubend und düpieren viele Mitbewerber in die Klasse der Kleingeister.“

Audio Test, 2026

Vollsymmetrisch in Dual-Mono

Ein MC-System ist per se eine symmetrische Quelle, da sind sich alle hoffentlich einig. Und dass aufgrund der geringen Ausgangsspannungen sehr leise Signale massiv verstärkt werden, darüber sollte ebenso Konsens bestehen.

Abgeleitet davon ist es förderlich, jedwede Einstreuung, jedwedes Störpotenzial auf dem Weg vom Tonarm zum Phonoverstärker bzw. Übertrager auszuschalten. Denn diese würden ja mit verstärkt, und das wollen wir nicht.

Die vollsymmetrische Signalführung ist ein Garant dafür, dass diese Anforderung erfüllt wird. Denn wenn der angeschlossene Phonopre oder Step-up wirklich symmetrisch agiert (es gibt auch XLR-Eingänge ohne symmetrische Schaltung), dann löschen sich etwaige Störungen über die Summierung mit dem phaseninvertierten Signal aus. Mehr Dynamik, mehr Schwärze, mehr Präzision, weniger Rauschen sind die angenehme Folge.

So einfach ist es auf dem Papier. Das Ganze in der Praxis zu einem angemessenen Preis umzusetzen, ist dagegen nicht so einfach. Nicht umsonst besitzen viele – auch äußerst renommierte – Phonovorstufen immer noch ausschließlich Cinch Ein- und Ausgänge.

Neben der symmetrischen Signal-Verarbeitung überzeugt der Thorens MC 1600 mit einem Dual Mono Aufbau. Das bedeutet, dass die Signale für den linken und rechten Kanal getrennt geführt werden, also über separate Platinen und Verstärkerstufen. Das trägt vor allem zu einem geringeren Crosstalk (Kanalübersprechen) bei. Der angegebene Wert von 110 dB diesbezüglich ist eine Ansage.

Thorens MC 1600 schräg von vorne

Anschlüsse des Thorens MC 1600

Der Phonovorverstärker bietet lediglich einen Ein- und einen Ausgang. Das ist angesichts des Preises und des beschriebenen Aufbaus mehr als okay. Wer mehr Anschlüsse braucht und Symmetrie liebt, sollte sich mit dem Musical Fidelity M8x Vinyl oder dem Nuvista Vinyl S beschäftigen, alternativ mit dem Audiospecials Phonolab, aber vorher seine Finanzen checken.

Zurück zum Thema: Der MC 1600 besitzt Cinch- und Ausgänge sowie XLR Ein- und Ausgänge. Diese können nicht parallel betrieben werden, aber man kann mit Cinch rein- und mit XLR rausgehen, wenn es denn sinnvoll ist.

Die Cinch-Eingänge sollte man für MM nutzen, die XLR-Eingänge für MC-Tonabnehmer.

Dann haben wir den obligatorischen Masse-Anschluss, den man in der Regel für symmetrisch angeschlossene MC-Tonabnehmer nicht benötigt. Für MMs dafür umso mehr, und dabei kann man auch mit Banana-Steckern arbeiten – sehr gut!

Der Stromanschluss erfolgt über eine klassische C15-Buchse, und daran sehen wir, dass das (Schalt-)Netzteil intern untergebracht ist. Auch hier muss gesagt werden, dass man beim aufgerufenen Preis irgendwo Kompromisse machen muss. In jedem Fall ist dieses Netzteil gefiltert und abgeschirmt und verhält sich im Betrieb unauffällig.

Schließlich befindet sich noch ein Potentiometer auf der Rückseite, das die Helligkeit des Thorens Schriftzug regelt. Im Uhrzeigersinn wird die Beleuchtung softer, gegen den Uhrzeigersinn kräftiger. Ganz links ist die Beleuchtung aus.

Die Leuchtdiode auf der Vorderseite leuchtet im normalen Betrieb rot, bei Übersteuerung wechselt sie zu blau. Wobei dann immer noch 14 dB Headroom bis zur Verzerrung bestehen.

Thorens MC 1600: Rückseite mit Anschlüssen

So klingt der Thorens MC 1600

Ich habe den Thorens Phonovorverstärker einmal unsymmetrisch mit einem highendigen MM-Tonabnehmer angesteuert, dem Rega ND-9, das ging richtig gut! Als MC kam das Audio Technica ART20 zum Einsatz, bei dem eine sehr gute Phonovorstufe notwendig ist, um seine Fähigkeiten voll zu entfalten.

Der MC 1600 spielt im positiven Sinne neutral, man hört den linearen Frequenzgang und die Abwesenheit von jedwedem „Sounding“. Die Quelle wird authentisch wiedergegeben (zumindest empfinde ich das so), was den Thorens zu einer universalen Klang-Maschine macht.

Wer mehr „analoge Wärme“ möchte, der sollte bei dieser Vorstufe entsprechende Tonabnehmer auswählen: ein Goldring Ethos zum Beispiel oder ein Skyanalog P1-G, in höheren Preisklassen wäre das Goldbug ein Tipp. Auch für die Basswiedergabe wäre das das Tüpfelchen auf dem i.

Der Thorens MC 1600 zeichnet die Bühne in realistischen Dimensionen, die Platzierung von Instrumenten bzw. Interpreten gelingt exakt und sehr gut separiert. Die Klavier-Anschläge bei „Girl Talk“ (Tsuyoshi Yamamoto Trio; A Shade of blue) sind ein Genuss, eine solche feindynamische Akkuratesse habe ich in dieser Preisklasse noch nicht gehört.

Eine rauscharme symmetrische Phonovorstufe erzeugt einfach eine Schwärze, die für Attacke und Impuls unerlässlich ist. Das freut auch Charly Antolini. Bei Knock-out zeigt die Vorstufe, wie ein Schlagzeug und Bassläufe klingen müssen, damit man mitgerissen wird und nicht nur mit dabei ist.

Auch das Album „Angel“ von Unprocessed ist eine Herausforderung an die Phonokette. Dieses Brett aus Progressive Metal, Metalcore und Wavepop verlangt absolute Präzision, um auch in den brachialen Passagen den Überblick zu behalten. Der Bass wird hier nicht gezupft, der schneidet sich tief ins Fleisch. Die oft abrupt integrierten soften Passagen transportieren dann wieder Feingefühl, ohne an Komplexität zu verlieren. Das Album habe ich mit dem Thorens MC 1600 ganz durchgehört, das ist ein Kompliment.

Geht auch Feingefühl? Ja, Joan Baez erzeugt mit „Diamonds and Rust“ die übliche Gänsehaut bei mir. Die Stimme von Zaz transportiert der MC 1600 in ihrer  expressiven Vielfalt: Mal haucht sie zart, dann wirkt sie brüchig, dann wieder roh und direkt, schließlich überschlägt sie sich vor lauter Emotion. Sehr gut.

Kombination mit Übertrager

Wie immer teste ich den Betrieb eines Phonovorverstärkers mit einem Übertrager, in dem Fall kombiniere ich den SUT-1M von MK Analogue mit dem ART20 und dem Thorens MC 1600. Und es ist wie so oft: Die klangliche Performance steigert sich – klar wahrnehmbar: mehr Luft zwischen den Protagonisten, mehr Umhüllung, eine tiefere Ausleuchtung der Bühne, insgesamt noch mehr Analog-Feeling. Und auch (fein) dynamisch geht noch ein bissl was.

Angesichts dieser tollen Vorstellung würde ich empfehlen, sich anstelle einer 5.000-Euro-Vorstufe einen hochwertigen Übertrager und den MC 1600 anzuschaffen – wenn man ein entsprechendes MC-Schmuckstück besitzt.

Der MC 1600 im Test – Zitate

Logo LP Magazin

„Das Anblasgeräusch der Trompete, das zarte Ausschwingen des Beckens – alles wird mit einer stoischen Ruhe serviert, die man sonst eher von deutlich teureren Vorstufen kennt … Die Dynamik ist frappierend, dynamische Impulse kommen ansatzlos aus der Rille in die Lautsprechermembran. Die Bässe haben Kontur und trockenen Druck … ein Gerät für alle Lebenslagen!“

LP Magazin, 2025, Zum Testbericht
Logo Stereo

„Dem Team um Gunter Kürten ist es mit dem MC 1600 auf Anhieb gelungen, einen Phonoamp zu entwickeln, der sich intensiv um die Emotionen, das Wichtigste in der Musik, kümmert und auf alles an schmückendem Beiwerk bewusst verzichtet.“

Stereo, 2026

Thorens MC 1600: technische Daten und Preis

EigenschaftWert
AubauDual-Mono, vollsymmetrisch
Eingänge / Ausgänge- XLR
- Cinch
RIAA Entzerrungaktiv und passiv
Rauschabstand
- 100 dBA bis 76 dBA (Herstellerangabe für 2 V, 100 Ohm)
- 88 dBA für MM und 70 dBA für MC (Messung Zeitschrift LP)
Verstärkung+ 32 dB bis + 68 dB in 10 Schritten
Kanaltrennung> 110 dBA (2V Ausgangsspannung, dBA)
Eingangskapazität50 bis 600 pF
Eingangsimpedanz- 47 kOhm (MM)
- 20–1.260 Ohm (MC; über 60 Stufen einstellbar)
Ausgangspegel10 V max.
Ausgangsimpedanz- 50 Ohm (Cinch)
- 110 Ohm (XLR)
Ausgangsstrom100 mA rms max.
Subsoniczuschaltbar mit den Werten:
- 6 dB / Oktave
- 12 dB / Oktave
Farben für leuchtenden Schriftzug- Blau
- Grün
- Türkis
- Rot
- Lila
- Gelb
- Weiß
Stromversorgunginternes Netzteil
Abmessungen (B × H × T)30 × 90 × 30 cm
Gewicht5 kg
FarbenSchwarz
Listenpreis2.199 €
Garantie3 Jahre

Einstellungen für Impedanz, Kapazität und Gain beim Thorens MC 1600

Ich bin kein Freund von Mäuseklavieren, aber gut: an irgendetwas muss man ja auch Kritik üben können. Trotzdem muss man zugestehen, dass die umfassenden Einstellungen, die man bei dem Thorens MC 1600 vornehmen kann, schwerlich anders zu realisieren sind. Ich habe mal die wichtigsten Dip-Schalter-Positionen für die entsprechenden Zielwerte aufgeführt, damit ihr nehmen der Anleitung noch eine weitere Quelle dafür habt. Und damit ihr prüfen könnt, ob eure Wunsch-Parameter machbar sind. Los geht‘s …

Thorens MC 1600 Dip-Schalter am Gehäuseboden

Blick auf die Unterseite mit den verschiedenen Dip-Schalter-Bänken. Die Einstellungen erfolgen bis auf die Displayhelligkeit immer getrennt für jeden Kanal.

1. Abschluss Impedanz

ImpedanzSchalter 1Schalter 2Schalter 3Schalter 4Schalter 5Schalter 6Schalter 7
20ΩONONONONONONON
40ΩON---ONONONONON
60ΩONON---ONONONON
80ΩON------ONONONON
100ΩONONON---ONONON
120ΩON---ON---ONONON
140ΩONON------ONONON
160ΩON---------ONONON
180ΩONONONON---ONON
200ΩON---ONON---ONON
220ΩONON---ON---ONON
240ΩON------ON---ONON
260ΩONONON------ONON
280ΩON---ON------ONON
300ΩONON---------ONON
320ΩON------------ONON
340ΩONONONONON---ON
360ΩON---ONONON---ON
380ΩONON---ONON---ON
400ΩON------ONON---ON
420ΩONONON---ON---ON
440ΩON---ON---ON---ON
460ΩONON------ON---ON
480ΩON---------ON---ON
500ΩONON---ON------ON
520ΩON---ONON------ON
540ΩONON---ON------ON
560ΩON------ON------ON
580ΩONONON---------ON
600ΩON---ON---------ON
620ΩONON------------ON
640ΩON---------------ON
660Ω---ONONONONONON
680Ω------ONONONONON
700Ω---ON---ONONONON
720Ω---------ONONONON
740Ω---ONON---ONONON
760Ω------ON---ONONON
780Ω---ON------ONONON
800Ω------------ONONON
820Ω---ONONON---ONON
840Ω------ONON---ONON
860Ω---ON---ON---ONON
880Ω---------ON---ONON
900Ω---ONON------ONON
920Ω------ON------ONON
940Ω---ON---------ONON
960Ω---------------ONON
980Ω---ONONONONONON
1000Ω------ONONONON---
1020Ω---ON---ONON---ON
1040Ω---------ONON---ON
1060Ω---ONON---ON---ON
1080Ω------ON---ON---ON
1100Ω---ON------ON---ON
1120Ω------------ON---ON
1140Ω---ONONON------ON
1160Ω------ONON------ON
1180Ω---ON---ON------ON
1200Ω---------ON------ON
1220Ω---ONON---------ON
1240Ω------ON---------ON
1260Ω---ON------------ON
280Ω------------------ON
47kΩONONONONONON---

Einstellungen für Kapazitätswerte

KapazitätSchalter 1Schalter 2Schalter 3Schalter 4Schalter 5
50pF---------------
100pFON------------
150pF---ON---------
200pFONON---------
250pF---ONON------
300pFON---ON------
350pF------ONON---
400pFONONON------
450pF---ONONON---
500pFON---ONON---
550pF------ONONON
600pFONONONON---
650pF---ONONONON
700pFON---ONONON

Einstellungen für Gain-Werte

VerstärkungSchalter 1Schalter 2Schalter 3Schalter 4Schalter 5
+32 dB------ON------
+36 dB---ON---------
+40 dB---------------
+44 dBON---ON------
+48 dBONON---------
+52 dBON------------
+56 dBON---ONON---
+60 dBONON---ON---
+64 dBON------ON---
+68 dBON------ONON

Weitere Einstellungen

Des Weiteren könnt ihr die Farbe des leuchtenden Thorens-Schriftzugs einstellen, Default ist die Farbe Rot, es sind aber 6 weitere Farben möglich. Und ganz abschalten lässt sich das Licht auch.

Schließlich gibt es eine Subsonic Option, die zuschaltbar ist mit einer Steilheit von 6 oder 12 dB pro Oktave, die Grenzfrequenz ist offiziell nicht angegeben, die LP sagt, dass er eher tief ab 15 Hz einsetzt.

Achtung: Alle Schalter bei Subsonic auf OFF gesetzt, bedeutet, dass kein Ton mehr rauskommt …

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