Thorens TD 404 DD – Direkttriebler mit Tonarm TP 160

Ein kraftvoller Direkttriebler in zeitloser Designsprache – Der Thorens TD 404 mit TP 160 Tonarm ist ein äußerst attraktiver Plattenspieler, der auch den TD 124 DD aus eigenem Hause herausfordert ...
Direct Drive mit Drive!
Auf dieses Thorens Laufwerk hab ich lange gewartet: ein Direkttriebler mit ordentlich Schmackes bei hoher Präzision und einem sehr gut bedämpften Gehäuse. Das Ganze in einem cleanen, zeitlosen Design: weder Vintage-Optik des Thorens-„Klassikers“ TD 124 DD, noch DJ-Optik wie bei den meisten Technics-Modellen.
Dass der Thorens TD 404 DD mit dem TP 160 einen Tonarm mitbringt, den ich sehr schätze, ist das Sahnehäubchen. Und dass dieses Gesamtpaket bereits ab 4.499 € erhältlich ist (der 124er kostet rund 8.000 €), ist vielleicht das letzte Puzzlestück, das einige Vinyl-Liebhaber zum Nachdenken bringt.
Noch nicht genug? Einen hab ich noch – und das war eine echte Überraschung für mich: Bei den Standfüßen hat sich Thorens richtig reingehängt und im Gegensatz zum Vorserien-Modell Federn in die Gummis integriert. Damit man tatsächlich von einer wirksamen Entkopplung sprechen, womit ich äußerst sparsam bin …
Der Direktantrieb des TD 404 DD
Es gibt zwei grundsätzliche Konzepte bei direktgetriebenen Plattenspieler-Laufwerken. Das eine setzt auf ein hohes Drehmoment mit exakter Geschwindigkeitskontrolle für stabile Drehzahl und maximalen „Drive“. Das Gewicht des Plattentellers ist bei diesem Ansatz in der Regel geringer – sieht man mal von den VPI Direkttrieblern ab, die Teller mit über 10 kg antreiben und deren Motoren mit entsprechender Leistung ausgestattet sind (Kostenpunkt dann > 40.000 €, by the way …)
Das andere Direkt-Konzept zeichnet sich durch einen „low-torque“ Antrieb aus, kombiniert mit einem schwereren Teller und guter Dämpfung. Diese wird z. B. über das Material des Tellers realisiert, STST arbeitet bei einigen Modellen zudem mit einem Subchassis. Ziel ist ein hohes Trägheitsmoment bei minimaler Empfindlichkeit gegenüber Störungen des Motors.
Thorens setzt beim TD 404 DD auf den gleichen (starken) Motor wie beim TD 124 DD. Das bedeutet in der Praxis, dass der Plattenspieler in gefühlt einer Sekunde auf Drehzahl ist, und dass hier ordentlich Schwung und Dynamik im Spiel ist. Soweit so gut, doch wie leise ist dieser Muskelprotz? Hält man ein Stethoskop auf das Laufwerk, hört man, dass hier sauberste Arbeit verrichtet wurde: Da ist fast nichts vom Antrieb zu hören. Und genau diese Kombi aus Drehmoment und Ruhe ist der Schlüssel, wenn „direkt“ auch gut klingen soll.
Die Gleichlaufschwankungen liegen bei ≤ 0,04 % WRMS (gewichtete Abweichung von der Drehzahl), das ist ein sehr guter Wert und etwas besser als der des TD 1600/TD1601.
Gehäuse und Plattenteller
Sandwich-Konstruktion
Das Gehäuse des Thorens TD 404 DD besteht aus einer Sandwich-Konstruktion: Oben befindet sich eine 5 mm starke Aluplatte, darunter die Zarge aus HDF (mit Echtholz-Furnier), darunter der Boden aus MDF.
Plattenteller
Der Plattenteller besteht aus präzise gefrästem Aluminium und Gummi-Elementen zur Resonanz-Dämpfung. Er hat 30 cm Durchmesser und wiegt 3,5 kg, ein typischer Wert für solche Antriebskonzepte. (Der Teller des 124ers wiegt ungefähr das Gleiche.)
Stroboskop zur Geschwindigkeitsregelung
Das Design umfasst ein Stroboskop und eine Pitch-Kontrolle, um die Drehzahlen 33 1/3 und 45 exakt einzustellen. Dazu drückt man auf den Knopf neben dem Tonarm-Lift. Dieser springt dann heraus und via Links-/Rechtsdrehung lässt sich die Geschwindigkeit feintunen. Dabei schaut man auf die Punkte in das kleine Guckloch in der Mitte vor dem Plattenteller. Schlau gelöst, und meist ist die Mittelstellung perfekt, was will man mehr?

Entkoppelnde Füße
Die Füße hat Thorens im Vergleich zu den Vorserien-Modellen nochmal gründlich überarbeitet und optimiert – und zwar mit Federn. Hier waren wohl einige Versuche notwendig, um auf die richtigen Federhärten zu kommen.
Das Projekt ist in jedem Fall geglückt, eine externe Entkopplungslösung erachte ich nicht für notwendig, auch wenn es sicher nicht schadet, den Plattenspieler auf eine Lehmannaudio Base zu stellen.
Meine Tests hat der TD 404 DD bravurös bestanden:
- Keine relevante Rückkopplung bei aufgelegter Nadel auf ruhender Platte, wenn der Volume-Regler über 15 dB über Hörlautstärke aufgedreht wurde
- Kein Springen der Nadel, wenn ich vor dem Rack auf dem Boden herumhüpfe
Anschlüsse
Der TD 404 DD verfügt, das ist ja mittlerweile Thorens-typisch, über symmetrische Ausgänge via XLR, was vorbildlich ist. Darüber freut sich inbesondere ein symmetrischer Übertrager in der Kette oder ein symmetrischer Phonovorverstärker, wie es der Thorens MC1600 einer ist.
Alternativ gibt es natürlich die klassischen Cinch-Ausgänge und dazu noch einen Erdungsanschluss. Die Ausgänge können übrigens nicht parallel betrieben werden laut Thorens.
Alle weiteren Anschlüsse betreffen das Standard- bzw. Upgrade-Netzteil.

Hab ich es schon erwähnt: Die symmetrischen XLR-Ausgänge sind vorbildlich, da können sich andere eine Scheibe abschneiden!
Tonarm und Tonarm-Lift
Der TD 404 besitzt einen „e-Lift“ mit Endabschaltung, eine sehr praxisorientierte Lösung. Das bedeutet aber auch, dass man den Arm nicht manuell senken und anheben kann. Dies ist nur über den rechten Druckknopf möglich. Die Geschwindigkeit der Prozedur ist gut gewählt, Haken dran.
Die Steuerung des Ganzen ist schlau: Auch wenn man bei abgesenkter Nadel auf den Stopp-Knopf drückt, hebt sich zunächst der Tonarm in aller Ruhe nach oben, bevor im Anschluss das Laufwerk gestoppt wird – in dem Fall auch nicht abrupt, sondern langsamer.
Schön ist auch, dass man vom Lift kein Geräusch wahrnimmt, das ist beim TD 1600 anders.
Des Weiteren hat Thorens den Übergang zwischen der mitgelieferten Headshell und dem Tonarm-Rohr optimiert: Es wurden PINs zur genaueren Führung ergänzt, die Steifigkeit nimmt insgesamt zu. Auch die Azimut-Einstellung am Headshell ist verfeinert worden.
Den TP 160 habe ich ansonsten im Rahmen meines Beitrags zum TD 1600/1601 detailliert beschrieben und gelobt. Deshalb hier nur das Wichtigste in Kürze:
- Mittelschwerer 9 Zoll Tonarm (18 Gramm, also eher im oberen Drittel von mittelschwer, was gut ist!)
- Hochpräzises, reibungsarmes Schneidlager für die vertikale Bewegung, stabilisiert über 6 Magnete
- Kugellager für die Horizontale mit exzellenten Meßwerten zum Losbrech-Moment
- Einstellung von Tonarmhöhe, Antiskating (Feder-Mechanismus) und Azimut möglich (der Einfachheit halber sollte man Letzteres am beiliegenden Headshell justieren, bei Headshells ohne eine solche Funktion wie dem Korf HS-A03 mich fragen)
- Mehrteiliges Gegengewicht (2 Zusatzelemente, auch gemeinsam verwendbar, um auf unterschiedliche Tonabnehmer-Gewichte perfekt einzugehen)
- Neupreis alleine wäre 1.899 Euro (und das ist fürs Gebotene sehr fair)
In jedem Fall leistet dieser Arm auch am TD 404 DD exzellente Arbeit und macht aus dem Plattenspieler ein Komplettpaket, das man erst mal toppen muss.
Klang des TD 404 DD
Wir haben bereits über die Vorzüge des Tonarms, die Eigenschaften des Direktantriebs und die durchdachte Dämpfung und Entkopplung gesprochen. Es liegt deshalb auf der Hand, dass dieses Laufwerk klanglich überzeugt. Mensch, das ist endlich eine Alternative – auch noch mit symmetrischen Ausgängen ;-) – zu den hervorragenden Technics-Laufwerken. Wobei ich den TP 160 Tonarm des Thorens vorziehe, nicht nur weil er schwerer ist.
Der TD 404 DD zeichnet sich durch eine große Laufruhe aus. Da ist bei aller Verve die nötige Souveränität dabei, mit der der Tonarm durch die Rillen gleitet. Davon profitiert das Klangbild in mehrerlei Hinsicht:
- Schwarzer Hintergrund und hohe Grob- und Feindynamik
- Sehr präzise Wiedergabe/Führung: auffällig insbesondere bei Sibilanten oder bei Klavieranschlägen (gegen Ende einer Schallplatte); wobei hier noch etwas Luft nach oben bleibt, wenn ich das auf einem AMG Viella mit Referenz-Tonarm Korf CF-10 gegenhöre.
- Sehr gute Räumlichkeit mit realistischen Bühnendimensionen
- Große Ortungsschärfe: Sänger*innen, die wie ein Fels in der Mitte stehen (sofern die Aufnahme das so wollte)
Dazu kommt ein großer Spaßfaktor: Gerade nicht-audiophile Aufnahmen, z. B. aus den Genres Punk oder Trash/Speed Metal hauen richtig rein: die rotzigen Punk-Riffs von Slime, die hämmernd-treibenden Gitarren von Slayer – das ist genau der richtige Schuss „Direct-Drive“, der das auditive Dampf-Ablassen zum Vergnügen macht.
Ich habe den TD 404 DD mit verschiedenen Tonabnehmern betrieben (siehe unten): Er kann die Unterschiede sehr gut herausarbeiten und das Upgrade des Abtasters bis zum Audio Technica ART20 war heraushörbar. Ist ja auch ein wichtiger Punkt, wenn es um die Zukunftsfähigkeit eines Plattenspielers geht.
Unterschiede zum Thorens TD 1600/1601
Der Vergleich zum günstigeren TD 1600 bietet sich natürlich an: Hier kann der TD 404 vor allem im Bass zulegen, denn dieser kommt straffer, mit mehr Kontur, reicht gefühlt noch tiefer. Das liegt, denke ich, an der „stabileren“ Laufwerkskonstruktion im Vergleich zum Subchassis und dem gedämpften Teller (der Tonarm ist ja genau der gleiche). Insgesamt spielt der TD 404 nochmal exakter auf den Punkt und ist liefert mehr Dynamik.
Ist es den Aufpreis von 1.000 € wert – wenn wir mal die Version mit Netzteil TPN 124 mit dem TD 1601 (ebenso mit Linearnetzteil und elektronischem Armlift) vergleichen? Aus meiner Sicht definitiv, zumal man dank der gut entkoppelnden Füße nicht mehr viel Geld in entsprechende Basen oder alternative Füße investieren „muss“.

Praxistipps zum Thorens TD 404 DD
- Plattengewicht: schadet nicht, aber darf nicht zu schwer sein, auf keinen Fall über 400 Gramm. Das Yamamoto RS-1 geht vom Gewicht grade noch, und setzte klanglich noch einen angenehmen Akzent in Sachen Brillanz drauf. Ob das jeder so empfindet? Muss man ausprobieren, und das bekommt ihr von mir natürlich auf Wunsch zur Verfügung gestellt. Alternativ kann man natürlich mit Plattenklemmen arbeiten, die Luxusvariante davon wäre die DÄD!CLÄMP.
- Plattenteller-Matte: Der Teller besitzt ja dämpfende Einlagen, was definitiv ein guter Move war von Thorens. Mit einer zusätzlichen Auflage kann man experimentieren, ich empfehle aber nur „steife“ und gleichzeitig leichte Matten wie die DÄD!MÄT, denn die Dämpfungselemente sind erhaben, wir wollen ja die schöne Stabilität nicht wieder zunichte machen. Man muss bei Verwendung einer Auflage natürlich die Tonarm-Höhe korrigieren, was manchmal sogar nützlich sein kann, siehe:
- Tonarmhöhe: Der Tonarm baut relativ tief, d. h. man hat je nach Headshell fast keinen Spielraum, um den Arm leicht abzusenken (mehr als 4 mm bitte ohnehin nicht). Also achtet darauf bei Verwendung eines ggf. alternativen Headshells. Mit der o. g. Matte hat man dann wieder genug Luft nach unten. Wenn ihr die Tonarm-Höhe mit Geodreieck oder ähnlichen Tools messt, kontrolliert die Waagrechte am Headshell und am hinteren Teil des Arms, im Bereich der Kröpfung geht er nämlich leicht nach unten.
- Antiskating: Das Federprinzip bewirkt, dass das Antiskating zu Beginn der Platte niedriger ist als am Ende, also eher vorsichtig agieren. Zumal der Wert auf der Skala des Drehrads zu viel des Guten ist. Kontrolliert man das mit dem Wallyskater, muss man ca. 20 bis 30 % nach unten korrigieren.
Empfehlung: Upgrade Netzteil TPN 124
Man kann drüber streiten, ob es sinnvoll ist, ein solch fantastisches Laufwerk mit einem Steckernetzteil auszuliefern. Das erzeugt schon beim Anschließen ein komisches Gefühl. Trotzem läuft er damit und hat ein attraktiveres Preisschild.
Zudem muss man festhalten, dass die klanglichen Unterschiede im Vergleich zu einem Linearnetzteil je nach „Stromkette“ mal größer und mal kleiner ausfallen können. Insofern kann es für manchen ausreichend sein, das mitgelieferte Steckernetzteil zu verwenden.
Ich empfehle dringend, das optional erhältliche Thorens Netzteil TPN 124 zumindest zu testen (stelle ich euch gern zur Verfügung). In den meisten Fällen sind die 499 Euro ein lohnendes Investment. Es geht nicht nur ums Klangbild, das damit in der Regel noch etwas souveräner und präziser wird. Es geht auch um die potenziell negativen Auswirkungen eines Steckernetzteils auf andere Komponenten. Da können schon mal Störungen zurückfließen, die dann andere Gerätschaften beeinflussen.
Wer mit dem TPN 124 „den Deckel zumacht“, begeht also definitiv keinen Fehler. Und wenn man das schwere Teil in Händen hält und mit den soliden Kabeln andockt, dann hat man einfach ein deutlich besseres Gefühl – schon vor dem Musikhören.
Bedienung am TD 404 DD
Für das Linear-Netzteil steht auf der Rückseite ein eigener Schiebeschalter für On/Off zur Verfügung. Der Drückschalter gilt nur für das Steckernetzteil und hat beim TPN 124 keinen Einfluss mehr.

Hab ich es schon erwähnt: Die symmetrischen XLR-Ausgänge sind vorbildlich, da können sich andere eine Scheibe abschneiden!
Passende Tonabnehmer zum TD 404 DD / TP 160
Mit 18 Gramm effektiver Masse ist der TP 160 ein „dankbarer“ Tonarm, ich würde für beste Performance Tonabnehmer mit 12–30 µm Compliance empfehlen. Thorens selbst hat ja das von Audio Technica gefertigte TAS 1600 im Programm, das sehr gut pass.
Alternativ kann ich das OC9XSL empfehlen (mit 799 Euro günstiger), mit seiner vorbildlich neutralen, homogenen, fein auflösenden Art. Alternativ funktioniert das Hana SL MK2 hervorragend, mit 749 EUR budgetär ebenso ein perfektes Match.
Weitere Tipps:
- Skyanalog P1-G, mit einer etwas wärmeren Abstimmung und der extra Portion Punch zum Super-Kurs von 589 Euro
- Rega ND-9, ein Spitzen-MM-System für 899 Euro (auch wenn man hier den Vorteil des symmetrischen Outputs nicht nutzt)
- EMT HSD SC6 (im Vertrieb von Thorens): mit höherer Compliance (15 µm) als EMT-typisch), passt perfekt zum Tonarm
Grundsätzlich können Laufwerk und Tonarm auch mit deutlich teureren Systemen kombiniert werden. Ich habe z. B. das AT-ART20 angeschlossen (3.200 Euro), das spielte zusammen mit dem Korfaudio Keramik-Headshell nochmal natürlicher, mit breiterer und tieferer Bühne und einem Extra-Schuss Emotion – klasse! Also auch für solche „teuren“ Experimente ist der TD 404 DD absolut tauglich.
Bei Fragen zu alternativen Kombinationen oder verfeinerten Tipps mit Kenntnis eurer Phonovorverstärkung stehe ich jederzeit zur Verfügung.
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