Hana SL MK2 – MC Tonabnehmer mit Shibata-Diamant

Hana Umami Red – mit Urushi-Lack und Microline-Schliff

Das Hana SL MK2 ist ein fein abtastender und flexibel zu betreibender Allrounder. Um sein Potenzial auszuschöpfen, ist eine saubere Justage sowie ein guter Tonarm und Phonovorverstärker Pflicht.

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„… beide Tonabnehmer spielen auf einem Niveau, das man nicht hinterfragen muss … Grundsätzlich empfinde ich beide Systeme als angenehm neutral und lebendig … Mit einem im Vergleich viel zu teuren Übertrager … zeigt der Kollege, was wirklich in ihm steckt … Das Potenzial des SL MKII ist so gut, dass man wirkilch in die Peripherie investieren kann.“

LP Magazin, 2025, Christian Bayer (Test inkl. High Output Version SH MK2)

Preis-Leistung: Note 1

Analog-Liebhaber diskutieren häufig darüber, wie viel ein Tonabnehmer kosten „darf“; was das „richtige“ Preis-Verhältnis zwischen Laufwerk, Tonarm und Tonabnehmer ist. Meine Meinung dazu hat sich in den letzten Jahren verändert. Ich habe erfahren, welch positive klangliche Auswirkung ein eher schwerer, steifer Tonarm auf die Performance hat, wie bedeutend ein gutes und vor allem effektiv entkoppeltes Laufwerk hat und welche Sprünge ein MC-Tonabnehmer mit passendem Übertrager macht.

Diese Komponenten sind dauerhafte Anschaffungen, die kaum einem Alterungsprozess unterliegen. Ein Tonabnehmer dagegen ist ein Verschleißteil, dessen Fertigungsqualität zudem schwankt (auch bei sehr teuren Modellen ist ein „schiefer“ Azimut keine Seltenheit). Dazu reicht die kleinste Unvorsichtigkeit, und der Abtaster ist hinüber. Was bei gängigen MC-Retipping-Preisen großer Hersteller (70 bis 90 % des Neupreises) definitiv kein Spaß ist.

Was hat das alles mit dem Hana SL MK2 zu tun? Nun, mit diesem Tonabnehmer kann man – für ein moderates Investment von 749 Euro – rundum glücklich Musik hören. An einem sehr guten Tonarm und bei genauer Justage spielt er auf einem Niveau, das anderswo erst fürs Doppelte erreicht wird. Und deshalb freut es mich, je nach Geschmack und Kette eine Alternative zum AT-OC9XSL, oder Skyanalog P1-G anbieten zu können.

Unterschiede zum Vorgängermodell

Das Hana SL MK2 kostet 100 Euro mehr als sein Vorgänger. Dieser erschien aber bereits 2016, das lassen wir mal unter normaler Inflation laufen. Wichtiger ist, was man für nun 749 Euro bekommt. Und hier hat die MK2-Version bei diversen Aspekten zugelegt:

  • Nadelträger: Konisches Aluminium statt zylindrischem, weniger Masse an der Spitze – höhere Steifigkeit, präzisere Abtastung, mehr Dynamik
  • Magnete: Einsatz kräftigerer Alnico-Magnete (wie beim Umami Blue) – für authentischere Klangfarben und gesteigerte Dynamik
  • Spulen: Kreuzspule mit hochwertigeren Kupferdrähten, senkt die Impedanz von 30 auf 8 Ohm (flexibler im Hinblick auf Impedanz-Abschluss und Auswahl von Phonovorstufen)
  • Gehäuse: Ergänzung einer schwarz lackierten Messing-Platte (analog der Hana M Serie); resonanzhemmender Überzug aus „Soft Feel Elastomer-Harz“ – das bedeutet weniger Resonanzen und eine stabilere Verbindung mit dem Headshell
  • Gewicht: 8,6 Gramm statt 5 Gramm (resultiert aus den Gehäuse-Änderungen)
  • Gewinde: zeitgemäße Schraubgewinde integriert, früher musste mit Kontermuttern gearbeitet werden

Der Generator entspricht dem des 2.500 Euro teuren Hana Umami Blue. In Summe ist das Hana SL MK2 das für mich ein neuer Tonabnehmer, der mit dem Vorgänger noch das ABS-Gehäuse und den Shibata-Diamanten gemein hat. Und böse Zungen sagen – siehe meine Ausführungen zum Klang –, dass die Japaner mit dem Hana SL MK2 ihre preislich höher liegende M-Serie abgeschossen haben …

Der Shibata-Schliff des SL MK2

Shibata – Historie in Kurzform

Den Shibata-Schliff hat Norio Shibata für die Quadrofonie entwickelt, also für die 4-Kanal-Wiedergabe. Ziel war es, dank der langen Flanken mit sehr geringer Rundung Ultraschall-Frequenzen bis ca. 45 kHz verzerrungsfrei abzutasten. Diese hohen Frequenzen transportierten dann das Signal für die hinteren Lautsprecher (Trägerwelle, am Ende wieder „dekodiert“ ins eigentliche Signal).

In jedem Fall hat man gemerkt, dass der Shibata-Schliff auch für die reine Stereo-Wiedergabe von Vorteil sein kann, weil er feinste Rillenmodulationen erfasst. Resultat ist eine gesteigerte Räumlichkeit, luftige Höhen und insgesamt eine sehr detailreiche Wiedergabe. Was ihn gegenüber den verbreiteten elliptischen Schliffen überlegen macht.

Ein positiver Neben-Effekt: Die größere Kontaktfläche verteilt den Nadeldruck gleichmäßiger, was die Nadel-Lebensdauer erhöht (und die Rillenschäden verringert).

Übrigens: MicroLine und MicroRidge kamen erst später auf, und mit diesen Schliffen schaffte man es, die Kontaktfläche zur Rille weiter zu erhöhen. Einige bevorzugen den Shibata-Schliff aber nach wie vor, weil er weniger analytisch und etwas seidiger in den Höhen sein soll. Das hängt aber aus meiner Sicht eher vom Tonarm und der Justage ab als vom Schliff.

Herausforderung Shibata

Es wird häufig behauptet, ein Tonabnehmer mit Shibata Schliff sei gutmütiger und leichter einzustellen als z. B. ein Micro-Ridge-Schliff. Das unterschreibe ich nicht – im Gegenteil: Aus meiner Erfahrung reagiert ein Shibata-Schliff sehr empfindlich auf  Azimut-Verstellung, und auch der VTA ist hier wichtig für die Performance des Abtasters – Stichwort Sibilanten und Schärfe in den Höhen.

Von daher ist eine sehr exakte Montage notwendig, um das Maximum aus einem solchen Tonabnehmer herauszuholen. Und noch etwas wird zu einem wichtigen Faktor bei der Wiedergabe: saubere Schallplatten. Hier stufe ich diesen Schliff etwas empfindlicher ein als MicroLine oder MicroRidge – kann aber keine logische wissenschaftliche Erklärung dafür abgeben.

Eine weitere Tücke des Schliffs ergibt sich für diejenigen, die es mit der Einstellung extrem genau nehmen und den dynamischen SRA und VTA ermitteln. Hier gilt es nämlich, die feinen Facettierungen des Schliffs bei der Winkelbestimmung zu berücksichtigen. Die Anforderungen an die mikroskopischen Aufnahmen steigen also.

So, genug relativiert: Wenn man das Hana SL sauber montiert und die Schallplatten glänzen, steht einem detailreichen Klang-Genuss ohne Störfeuer nix im Wege …

Shibata-Diamant des Hana SL MK2 unter dem Mikroskop

Schön zu sehen unter dem Mikroskop: die besondere Facettierung des Shibata-Schliffs

Wie klingt das Hana SL MK2

Meine Ausführung basieren natürlich auf einem sauber vermessenen und montierten Exemplar :-)

Das Hana SL MK2 ist ein „kompletter“ Tonabnehmer, der über das gesamte Frequenzspektrum sehr ausgewogen agiert. Der Bass ist weder voluminös aufgedickt noch dünn, fügt sich gut strukturiert in das große Ganze ein. Die Höhen sind sehr fein aufgelöst und geraten alles andere als analytisch und scharf: das ist angenehm und langzeittauglich.

Die Klangfarben sind authentisch: Instrumente haben Körper, das Schlagzeug hat Verve – da kann man nicht meckern. Stimmen haben Charakter: ob sanfter Hauch oder brachialer Growl, das ist emotional und lebendig, was der Abtaster abliefert.

Das SL MK2 zieht eine schöne Bühne auf, die Separierung von Instrumenten ist in dieser Preisklasse vorbildlich (bezogen auf mein bis dato gehörtes Portfolio). Wobei – das muss mal eingeschoben werden – ein Umami Red aus gleichem Hause oder ein The Goldbug in dieser Disziplin nochmal klar zulegen: Die Bühne öffnet sich über die Lautsprecher hinaus, die Tiefen-Ausleuchtung gelingt „schärfer“, die „Selbstverständlichkeit“ der Wiedergabe steigt, die Dynamik ist nochmal verbessert.

A propos Dynamik: Das SL MK2 spielt sauber auf den Punkt, die Orchester-Einsätze bei „Danse Macabre“ kommen präzise und knackig. Aber es ist nicht „des Punches letzter Schluss“, wenn man die o. g. Vergleichskandidaten hört.

Insgesamt erinnert mich der Tonabnehmer an das Audio Technica AT-33 SA (ebenso mit Shibata-Schliff, in etwa gleiche Preisklasse), das es mittlerweile leider nicht mehr gibt. Wobei das Hana insgesamt einen Tick „wärmer“ und vielleicht einen Tick agiler musiziert (wenn ich das richtig in Erinnerung habe).

In Bezug auf noch erhältliche Modelle spielt das SL MK2 irgendwo in der Mitte zwischen AT-OC9XSL und Skyanalog P1-G: Die Feinauflösung und Präzision hat es vom Audio Technica, die Lebendigkeit und den Punch vom Skyanalog, wobei letzteres den Präsenzbereich bewusst leicht zurücknimmt.

Gerade für mittelschwere (bis schwere) Tonarme ist das Hana also eine dicke Empfehlung von meiner Seite und eine echte Bereicherung dieser interessanten Preisklasse.

Hana SL MK2 Tonabnehmer schwebend über Blume

Praxis-Tipps zum Hana SL MK2

Wirft man einen Blick auf die technischen Daten, ist der Tonabnehmer ein dankbarer Kandidat:

  • mittelhohe Ausgangsspannung mit 0,4 mV (bei Stereo waren es in der Testmessung mit 0,36 etwas weniger)
  • gängiger Abschluss mit 80 bis 100 Ohm
  • mittlere Compliance mit ca. 18 (der offzielle Wert ist 10, aber bei 100 Hz, demnach grob mit Faktor 1,8 zu mulitplizieren, um auf den 10-Hz-Wert zu kommen)

In der Praxis bedeutet das, dass keine exorbitanten Anforderungen an einen Phonovorverstärker bestehen und die gängigen mittelschweren Tonarme gut passen. Ich hab mir mal den Spaß gegönnt, das Hana SL MK2 an einem Lehmann Blackcube, dem Lehmann Phonolith und meinem großen Besteck MK Analogue SUT-1L Übertrager und MM-PH-AMP zu hören. Der Abtaster geht das mit, die klangliche Steigerung ist klar wahrnehmbar, am Übertrager wächst er über sich hinaus.

Ich habe das SL MK2 mit dem Korfaudio TA-SF-11R betrieben (3.000 Euro), der eine effektive Masse von 29 Gramm hat, was die meisten als schwer bezeichnen würden. Das klappte ganz hervorragend. Es würde aber, denke ich, auch ein mittelschwerer Arm wie der AMG 9W2 gut funktionieren, den ich z. B. beim Skyanalog P1-G nicht empfehle.

Justage

Wie bereits erwähnt setzt der Shibata-Schliff eine sehr genaue Azimut- und VTA-Justage voraus. Ein Fozgometer ist hier fast schon Plicht. Eine Azimut-Änderung von 1 Grad kann die Kanalbalance und die Kanaltrennungswerte schon mal um 20 % verändern.

Hana Tonabnehmer – so meine persönliche Erfahrung – besitzen allgemein einen etwas höheren VTA-Winkel. D. h., dass der Winkel des Nadelträgers zur Schallplatte bei empfohlener Auflagekraft meist über 20 Grad beträgt (dynamisch gemessen bei laufender Platte). Wenn man das über Shims (z. B. von Wally Tools korrigieren möchte, kommt man beim Hana SL MK2 aber schnell an die Grenzen: Schon bei 2 Grad liegt der Body fast auf der Schallplatte auf – nicht gut. Von daher würde ich hier lieber mit dem kleinen VTA-Malus leben.

Nicht falsch verstehen: Auch bei waagrecht eingestelltem Tonarm klingt das Hana SL MK2 sehr gut, aber ein näher am Ideal liegender VTA könnte vielleicht noch mehr rausholen, wer weiß …

Technische Daten des Hana SL MK2

EigenschaftWert
NadelschliffShibata
NadelträgerKonisches Aluminium
Innenwiderstand8 Ohm
Ausgangsspannung0,4 mV
Empfohlener Auflagedruck2 g
Frequenzgang15–32.000 Hz
Kanaltrennung28 dB (1 kHz)
Compliance bzw. Nadel-Nachgiebigkeit16–18 µm/mN (bei den gängigen 10 Hz)
Empfohlene Abschluss-Impedanz> 80 Ohm (mit Übertrager > 60 Ohm)
Tracking bzw. Abtastfähigkeit70 µm
Azimut RangeMaximale Toleranz 2,5 Grad (Testexemplar: 1,5 Grad)
Gewicht8,6 g
Einspielzeit50 h
Zubehör
Nadelbürste, Inbus, Befestigungsschrauben in diversen Längen
Verpackung und Schatulle fürs Hana SL MK2

Das Hana SL MK2 kommt in einer schönen samt-ausgelegten Schatulle.

Test-Berichte

Logo Stereo

„ Diese (Hana SL und HL MK2) übertreffen ihre Vorläufer klanglich deutlicher, als es der überschaubare Aufpreis vermuten lässt, und setzen wie diese acht Jahre zuvor den Maßstab in dieser für Aufsteiger wichtigen Liga. “

Stereo, 2024, Zum Testbericht (PDF)
Logo HiFi PiG Magazine

„Aufgrund seines Preis-Leistungs-Verhältnisses vergebe ich für diesen Abtaster unsere 5-Herzen-Auszeichnung (= volle Punktzahl, Anmerkung Audio-Freak) … Wäre ich nicht mit dem Hana Umami Red und anderen sehr guten Tonabnehmern verwöhnt gewesen, wäre ich mit diesem Abtaster als meinem Haupttonabnehmer sehr zufrieden gewesen.“

HiFi Pig, 2025
the absolute sound Logo

„Dieser Tonabnehmer wird der Musik in jeder Hinsicht gerecht und fügt niemals störende Eigenschaften hinzu, die vom Sinn der Kompositionen ablenken könnten. Das Hana SL MK II ist eine würdiger Nachfolger der wunderbaren Original-Hana SL und wird zum neuen preisgünstigen Überflieger, der fast alles übertrifft, was den Abtaster, den es ersetzt, so gut gemacht hat. Ein echter Geheimtipp.“

The Absolute Sound, 2025, Zum Testbericht

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